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29.11.2018

Studieren mit Kind – Eine Erfolgsgeschichte an der DHBW Mannheim

Absolventin Swantje Biehler mit Tochter Annabelle im Eltern-Kind-Zimmer der DHBW Mannheim

Im Studium schwanger zu werden, viele haben Angst davor. Wie soll ich Studium und Familie vereinbaren? Wie kann ich allen gerecht werden? Wann soll ich lernen? Wie wird mein Unternehmen reagieren? Fragen über Fragen schießen einem durch den Kopf und bescheren einem unruhige Nächte.

Die DHBW Mannheim wird bereits seit 2009 als "Familiengerechte Hochschule" zertifiziert, bietet Unterstützung für Studierende, Mitarbeiter und Lehrbeauftragte, die Kinder oder Angehörige betreuen. Doch was heißt das konkret? Die frisch gebackene Absolventin Swantje Biehler (21) hat diese Situation erlebt: Sie hat Wirtschaftsinformatik-Application Management studiert und im vierten Semester  im Alter von 19 Jahren  von ihrer Schwangerschaft erfahren. Im Januar 2018 hat sie ihr fröhliches Töchterchen Annabelle zur Welt gebracht und Ende September 2018 erfolgreich ihr Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Das klingt nach einem harten Stück Arbeit und nach einer Phase voller Selbstdisziplin. Wir  die Redaktion der Hochschulkommunikation  freuen uns sehr, dass wir von diesem positiven Beispiel einer erfolgreichen Studentin mit Kind berichten können und dass Frau Biehler ihre Erfahrungen an der DHBW Mannheim mit anderen teilen möchte.

Redaktion: Sie haben während des Studiums ein Kind bekommen, haben Ihr Studium in der Regelstudienzeit beendet und seit September 2018 Ihren Bachelorabschluss  herzlichen Glückwunsch! Doch lassen Sie uns kurz auf Anfang gehen: Wie ging es Ihnen, als Sie von Ihrer Schwangerschaft erfahren haben?

Swantje Biehler: Erst waren wir geschockt, doch sehr bald schon sehr glücklich. Wir haben uns sehr auf das Kind gefreut. Wie kann man das auch nicht? Die erste Hürde war, es den Eltern zu sagen. Und dann noch das Unternehmen zu informieren. Doch alle haben die Neuigkeit sehr gut aufgenommen und uns unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar! Mein Partnerunternehmen Pepperl+Fuchs hat mir gleich zu Anfang der Schwangerschaft viele Informationen zu Mutterschutz, Elternzeit, Stillpausen etc. gegeben.

Redaktion: Wie sah die Unterstützung seitens der DHBW Mannheim aus?

Swantje Biehler: Da ich im vierten Semester schwanger geworden bin, ging es im Wesentlichen um die Organisation des fünften und sechsten Semesters und um den Abschluss. Ich habe mich frühzeitig mit dem damaligen Studiengangsleiter der Wirtschaftsinformatik zusammengesetzt und die nötigen Schritte durchgesprochen. Wir mussten bestimmte Regelungen schriftlich fixieren, wie zum Beispiel, dass ich die Praxisphase, in der ich die Bachelorarbeit geschrieben habe, auf acht Wochen verkürzen durfte, für die Bachelorarbeit aber zwölf Wochen zur Verfügung hatte. Glücklicherweise hat sich einer meiner Kurse auf einen frühen Klausurtermin geeinigt, sodass ich eine Klausur noch vor der Geburt mitschreiben konnte. Als meine Tochter dann auf der Welt war, habe ich zwei Klausuren nachgeschrieben und vom Eltern-Kind-Zimmer an der DHBW Gebrauch gemacht. Was mich aber am meisten entlastet hat, war das Verständnis und die Hilfsbereitschaft, die mir von der Hochschule und von Pepperl+Fuchs entgegengebracht wurde!

Redaktion: Sicherlich spielt auch das familiäre Umfeld eine wichtige Rolle. Konnten Ihr Partner oder Ihre Eltern/Schwiegereltern einiges abfedern?

Swantje Biehler: Mein Partner hat im gleichen Kurs wie ich studiert und wir haben gleichzeitig unseren Abschluss gemacht. Wir haben miteinander gelernt, manchmal mit Annabelle auf dem Schoß, und uns gegenseitig gepusht. Wir wohnen bei meinen Eltern, sodass sie uns super entlasten und wir uns auf unsere Prüfungen konzentrieren konnten. Sie waren uns eine große Hilfe!

Redaktion: Ob und wie erfolgreich man eine Doppelbelastung von Studium und Familie aushält, hängt vom eigenen Wesen ab, aber natürlich auch von dem des Kindes. Sie haben uns im Vorfeld berichtet, dass Sie eine ausgeglichene Tochter haben, was wunderschön klingt. Aber hatten Sie trotzdem gelegentlich Momente, in denen Sie dachten: Es ist zu viel für mich, zu viel für meine Tochter?

Swantje Biehler: Für meine Tochter nicht. Sie ist ein sehr entspanntes Kind, das gut schläft und sich auch gut auf andere Betreuungspersonen einlässt. Mit 3 ½ Monaten haben wir sie auch schon zwei Mal in der Woche zu einem befreundeten Tagespapa gegeben und sie hat sehr viel Spaß mit den anderen Kindern gehabt. Aber ich hatte schon gelegentlich schwache Momente. Ein Studienabschluss ist sowieso schon sehr spannend. Und ohne Kind hatte ich vor Klausuren auch schon manchmal Bammel. Was mir geholfen hat war, dass es sich nur um eine begrenzte Zeit handelte, in der ich durchhalten musste. Besonders hart war die Praxisphase direkt nach dem Mutterschutz. Annabelle war acht Wochen alt und ich bin wieder arbeiten gegangen. Aber zum Glück war auch das nur für acht Wochen. In der Theoriephase war es etwas entspannter, da ich mehr Zeit für sie hatte. Das konnten wir genießen.

Redaktion: Selbstdisziplin ist in so einer anstrengenden Phase sicherlich das A und O. Haben Sie einen Tipp, wie man mit den eigenen Reserven haushalten kann, um so eine fordernde Zeit durchzuhalten?

Swantje Biehler: In der Schwangerschaft habe ich versucht, mich viel auszuruhen und ausreichend zu schlafen. Ich habe alles frühzeitig organisiert und war im dauernden Austausch mit dem Studiengangsleiter. Ich wusste ja nicht, was mich nach der Geburt erwarten würde und wie ich mich fühlen werde. Zum Glück hatte ich eine beschwerdefreie Schwangerschaft, sodass ich einiges vor der Geburt abarbeiten konnte.

Redaktion: Wie geht es nun bei Ihnen weiter?

Swantje Biehler: Momentan bin ich in Elternzeit und habe eine wunderschöne Zeit mit Annabelle. Ab Dezember arbeite ich dann wieder bei Pepperl+Fuchs. Ich wurde für ein Jahr übernommen und habe eine Teilzeitstelle für 25 Stunden in der Woche geschaffen bekommen. Meine Tochter geht dann täglich zu ihrem Tagespapa, aber mit knapp fünf Stunden am Tag wird das ein guter Kompromiss für uns alle sein. Mein Partner hat eine sehr gute Festanstellung gefunden und ein kleines Häuschen wartet auch schon auf uns.

Redaktion: Das klingt sehr schön und ein bisschen nach "Ende gut, alles gut". Am Ende sind Sie ja noch lange nicht, aber Sie können nach dieser anstrengenden Zeit aufatmen und sich auf ein neues Kapitel freuen.

Swantje Biehler: Während man drin steckt fühlt sich einiges sehr schwer an, aber rückblickend denke ich manchmal, es war gar nicht so schlimm. Man muss das Ziel im Auge behalten und ein bisschen zuversichtlich sein. Das packt man schon alles, die Frage ist nur, unter welchen Bedingungen. Mein Partner und ich waren uns einig, dass wir das schaffen wollen und dass es richtig ist, so wie wir das machen. Wir haben schon immer wieder Tipps oder Kritik von anderen bekommen. Aber da war es gut rauszufinden, welcher Weg für uns als Familie der Richtige ist. Da ich kurz vor Studienende war, wollte ich es zügig durchziehen. Pausiert habe ich insgesamt elf Wochen, drei vor und acht nach der Geburt. Für andere wäre eine längere Pause während des Studiums vielleicht eine Option, aber das muss sehr individuell betrachtet werden. Und dafür ist der Austausch mit der Hochschule und dem Unternehmen wichtig. Eine Lösung findet sich immer.

Redaktion: Wir freuen uns sehr, dass sich für Sie alles so gut gefügt hat und Sie anderen Studierenden mit Ihrer Geschichte Mut machen möchten. Vielen Dank für das tolle Gespräch und alles Gute!

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