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04.04.2016

"Mit jungen Menschen Fragestellungen zu diskutieren und Wissen auf Augenhöhe zu reflektieren hilft mir selbst mein Know-How up-to-date zu halten"

Seit dem 15. September 2015 verstärkt Prof. Dr. Andreas Müller den Fakultätsbereich Technik der DHBW Mannheim als Studiengangsleiter für angewandte Informatik. Als Physiker ist er begeistert von dem was die Welt im Innersten zusammenhält und möchte die Studierenden ermutigen ihr Wissen selbst auszuprobieren und anzuwenden und dabei stets neugierig und kritisch zu bleiben.

Was haben Sie vor ihrem Ruf an die DHBW Mannheim gemacht?
Ich war zwei Jahre als Vertretungsprofessor für Grundlagen der Informatik, Technische Informatik und Telekommunikation beim FBI tätig. So bezeichnet sich mit einem Augenzwinkern der Fachbereich Informatik der Hochschule Darmstadt.
Davor war ich mehr als 15 Jahre bei der Deutschen Telekom beschäftigt. Hier hatte ich in diversen Funktionen immer wieder mit verschiedensten Fragestellungen der Informatik zu tun. Zum Beispiel mit der Architektur und Virtualisierung von Unix Systemen für die Zugangssteuerung zur IP-Plattform, dem Vergleich einer großen Menge von Abrechnungsdatensätzen in zwei Datenbanken oder dem Design von Parametern für Signalisierungsprotokolle.
Da mir die Arbeit mit Studenten viel Freude macht und um den Kontakt zur Hochschule zu halten, hatte ich während meiner Zeit bei der Telekom immer wieder Lehraufträge an der Fachhochschule Friedberg sowie an der hauseigenen Hochschule für Telekommunikation in Leipzig.
Von meiner Ausbildung her bin ich Physiker. Von klein auf hat mich fasziniert, was die Welt im Innersten zusammen hält. So habe ich im Rahmen meiner Doktorarbeit einzelne Moleküle in Festkörpern mit Hilfe von Laserspektroskopie beobachtet. Einzelne Moleküle sind die kleinstmöglichen Sonden, um Materialien zu untersuchen. Auch hier gab es wieder einen starken Bezug zur Informatik - ein Messprogramm zur Steuerung des Versuchsaufbaus musste geschrieben werden und die Daten konnten anschließend mit Hilfe von Monte-Carlo-Simulationen erklärt werden.

Inwiefern können Studierende von Ihrem beruflichen und wissenschaftlichen Know-how profitieren?
Durch meine breite wissenschaftliche Ausbildung sowie die langjährige Industrieerfahrung kann ich ein spannendes, aktuelles Themengebiet in der Lehre vertreten und darüber hinaus Methodenkompetenz und Problemlösungsverfahren vermitteln. Eine Zusammenarbeit und Führung, die sich an Werten orientiert und Menschen auf Augenhöhe begegnet - unabhängig davon, ob es sich um Studenten, Mitarbeiter oder Vorgesetzte handelt ist mir außerdem sehr wichtig.

Was sind die Schwerpunkte Ihrer Lehrtätigkeit?
An der DHBW Mannheim werde ich Grundlagen der Informatik - das heißt Programmieren, Algorithmen und Datenstrukturen - sowie Digitaltechnik lehren. Dazu kommen Vorlesungen zur Hard- und Software für Embedded Systems - also Rechnerarchitektur, Systemnahe Programmierung und Bussysteme. Natürlich werde ich auch Kommunikations- und Netzwerke unterrichten und die entsprechenden Labore betreuen.

Was reizt Sie an Ihrer neuen Aufgabe? Haben Sie sich ein bestimmtes Ziel gesetzt?
Die Arbeit mit jungen Menschen und die Diskussion von Fragestellungen hilft mir mein Wissen zu reflektieren und aktuell zu halten. Erst wenn man einen Sachverhalt erklären kann, hat man ihn wirklich verstanden und ich lerne hier selbst jeden Tag neu dazu.
In meiner Funktion als Studiengangsleiter möchte ich erreichen, dass Studenten auch Teile der Ausbildung wie z.B. das Kommunikationslabor mit einer zertifizierten Ausbildung kombinieren können. Das heißt, dass sie z.B. ein CCNA oder ein ITIL oder Scrum Zertifikat erwerben können bzw. diese Zertifikate umgekehrt auch als Studienleistung eingebracht werden können.
Ein Herzenswunsch ist außerdem die Einführung eines konsekutiven Masterprogramms, um die Lücke zwischen Bachelorausbildung und anwendungsnaher Forschung zu schließen.
Darüber hinaus möchte ich mittelfristig ein Forschungsprojekt aufsetzen, das die Schwerpunkte Embedded Systems, Netzwerke und Virtualisierung umfasst und die Möglichkeit zur Promotion bietet.

Wo liegen Ihre wissenschaftlichen Forschungsschwerpunkte?
Meine Hauptinteressen liegen in der anwendungsnahen Forschung im Bereich Embedded Systems und Netzwerke sowie Telekommunikation. Damit ergibt sich fast zwangsläufig ein Bezug zur 'Industrie 4.0 Thematik'. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für moderne Netze und ihre Architektur, das heißt Virtualisierung von Netzfunktionen und Software Defined Networks.

Was ist für Sie das Besondere an der Dualen Hochschule?
Die Duale Hochschule gestattet durch die kleinen Semestergruppen und die hochmotivierten Studenten einen sehr interaktiven und seminaristisch geprägten Unterrichtsstil. Mir gefällt dieses gemeinsame Erarbeiten von Fragestellungen und Wissen. Darüber hinaus bietet das Konzept der DHBW mit den vielen externen Dozenten und Firmenkontakten auch eine großartige Chance zur gemeinsamen Forschung mit Industriepartnern.

Gibt es noch etwas, das Sie Ihren Studierenden mit auf den Weg geben möchten?
Bleiben Sie hungrig und neugierig, lernen Sie jeden Tag dazu und glauben Sie Ihrem Professor nicht alles! Sie lernen nur durch Erfahrung. Probieren Sie Ihr Wissen aus, wenden Sie es an! Trauen Sie sich Fehler zu machen - der größte Fehler ist, es erst gar nicht versucht zu haben. Und vergessen Sie bei all dem Lernen nie, dass Ihr Studium nur einen Teil Ihres Lebens ausmacht.

Was machen Sie, wenn Sie nicht arbeiten?
In meiner Freizeit besuche ich regelmäßig eine Gemeinde. Ich glaube “der ‘Alte’ würfelt nicht”, wie schon Einstein sagte. Dazu halte ich mich mit Sport in Bewegung - gerne auf dem Rad oder beim Schwimmen. Wenn es die Zeit erlaubt, lese ich wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Literatur und spiele hin und wieder auf meiner klassischen Gitarre.

Das Interview führte Carolin Schwarzer

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