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22.02.2016

Tausend und eine Nacht-feeling: DHBW-Mitarbeiter Dirk Lauscher durchquert als Jungbuschindianer den Orient

Dirk Lauscher - heute noch am Schreibtisch, bald schon im Orient

Dirk Lauscher ist akademischer Mitarbeiter der DHBW-Mannheim und wird mit seiner Schwester und zwei weiteren Freunden an der Allgäu-Orient-Rallye teilnehmen. Im Interview verrät er, welche Erwartungen er hat, was ihn zur Teilnahme bewegt und warum er zunächst für verrückt erklärt wurde.

Herr Lauscher, wie kamen Sie auf die Idee an der Allgäu-Orient-Rallye teilzunehmen?

Freunde haben uns von der Rallye erzählt und ich fand sie total gut, weil sie nicht nur ein tolles Abenteuer ist, sondern auch einem guten Zweck dient. Meine Schwester, ihre Mitbewohnerin und deren Bruder waren auch sofort begeistert. Letztendlich war dann aber alles ganz spontan. Am Tag der Anmeldung haben wir uns wieder an die Rallye erinnert und kurzweg beschlossen tatsächlich daran teilzunehmen. Wir saßen dann nachts, um 3.33Uhr, alle vor unseren Rechnern und haben versucht einen der begehrten Plätze zu ergattern. Um 3.37Uhr waren sie bereits alle vergeben - einer davon an uns.

Am 30. April starten wir also in Oberstaufen im Allgäu und fahren bis nach Teheran im Iran. Die gesamte Reise dauert etwa drei Wochen.

Was haben Freunde und Bekannte dazu gesagt, dass Sie den Orient durchqueren wollen?

Ich wurde zunächst einmal für verrückt erklärt. Als ich meiner Mutter erzählt habe, dass ich an der Rallye teilnehme sagte sie: „ du spinnst!“ Als ich ihr dann  obendrein erklärte, dass meine Schwester auch mitkommt sagte sie: „auf keinen Fall!“ Mittlerweile unterstützt sie uns aber genauso wie unsere Freunde und die anderen Familienmitglieder auch.

Wie wurde der Name ‚Jungbuschindianer’ ausgesucht?

So spontan wie die Anmeldung war auch die Namensfindung. Ich arbeite an der DHBW in Mannheim und meine Schwester und ihre Mitbewohnerin haben hier Wirtschaftsinformatik studiert, meine Schwester ist noch heute an der DHBW als Dozentin tätig, und wir alle haben eine Zeit lang in der Region gelebt oder tun das immer noch. Wir wollten einen Bezug zu unserer Heimat herstellen und da wir alle gerne im Mannheimer Stadtteil ‚Jungbusch’ feiern gehen fanden wir den Namen ‚Jungbuschindianer’ passend.

Die Rallye dient einem guten Zweck. Wohin möchten Sie ihr gesammelten Geld- und Sachspenden senden?

Der gute Zweck teilt sich in zwei zentrale Aspekte auf. Der Erste ist, dass alle Rallyefahrzeuge am Ziel als Spende an den ‚türkischen Halbmond’, das Pendant zum ‚Deutschen Roten Kreuz’ übergeben werden. Von ihrem Erlös werden dann große Projekte unterstützt. In den vergangenen Jahren beispielsweise der Bau einer Schule oder einer Wasserversorgung für ein abgelegenes Dorf.

Wir unterstützen außerdem das Kinderheim ‚Stern der Hoffnung’ in Siebenbürgen, Rumänien. Dieses fahren wir persönlich an und überbringen dabei alle Sach- und Geldspenden, die wir im Vorfeld auftreiben können.

Wir wollen unbedingt an eine seriöse Institution spenden und es ist gar nicht so einfach eine solche zu finden, wenn man nicht vor Ort ist. Rallyeteams der vorherigen Jahre haben berichtet, dass sie gute Erfahrungen mit diesem Kinderheim gemacht haben und die Hilfe dort wirklich nötig ist. Der Verein, der das Kinderheim unterstützt befindet sich außerdem in Darmstadt, also ganz in unserer Nähe.

Bei der Bestimmung der Strecke wird den Teilnehmern ein gewisser Freiraum gewährt. Wie haben Sie die Strecke ausgewählt? Gibt es Orte, die Sie unbedingt sehen möchten?

Die Strecke ist bis Istanbul frei wählbar. Es dürfen lediglich weder Navigationssystem noch Fähre benutzt und auch keine Autobahnen befahren werden. Je mehr Grenzen man überschreitet, desto mehr Punkte erhält man. Momentan haben wir geplant von Deutschland zunächst nach Italien und dann nach Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn zu fahren. Nachdem wir Rumänien, Slowenien und Serbien durchquert haben könnte eventuell noch ein Abstecher in den Kosovo folgen bevor es weiter nach Mazedonien, Bulgarien, Griechenland und Istanbul geht.  Ab dort wird uns die Strecke dann nach und nach vorgegeben. Ich freue mich besonders auf Kurdistan und darauf die Grenze von der Türkei bis in den Iran entlangzufahren. Ich hoffe auf ein ‚Tausend und eine Nacht-feeling’.

Geht es Ihnen um das Gewinnen oder ist dabei sein alles? Was möchten Sie mit ihrem Gewinn machen?

Natürlich wollen wir auch gewinnen! Wenn wir schon teilnehmen, wollen wir auch das Kamel bekommen – das ist der erste Preis. Leider können wir es nicht mit nachhause nehmen, obwohl wir wahrscheinlich eines der wenigen Teams sind in dessen Auto das Kamel passen würde. Wir werden es vermutlich vor Ort spenden und nur für ein Foto ins Auto einladen – wenn es das möchte.

Können Sie sich vorstellen, dass es zu Schwierigkeiten auf Grund kultureller Unterscheide kommt?

Nein, während meiner bisherigen Reisen in solche Gebiete habe ich deren Bewohner als sehr offene, herzliche und vor allem gastfreundliche Menschen kennengelernt. Meistens ist das so: Man kommt an, wird freundlich empfangen und bekommt Raki angeboten. Dann sitzt man beisammen und es herrscht gute Stimmung. Ich denke die Sprache oder die Orientierung in der Wüste aber auch das Wetter stellen viel größere Hürden dar. Tagsüber ist es sehr heiß, in der Nacht hingegen total kalt. Auf den Bergen könnte es sogar schneien. Da ist vor allem ein gutes Equipment wichtig.

Apropos Equipment – welche Vorbereitungen müssen Sie für die Rallye treffen? Was möchten Sie auf Ihre Reise mitnehmen?

Zunächst brauchen wir zwei Autos, mit denen wir die Wüste durchqueren können. Jedes Team, das aus mindestens vier Mitgliedern besteht, braucht zwei Fahrzeuge. Diese Regelung dient der Sicherheit. Hat ein Auto eine Panne, gibt es ein weiteres, welches Hilfe holen oder abschleppen kann. Ich habe oft überlegt, welche Art von Auto am besten geeignet ist.  Wie die Anmeldung und die Namensgebung war dann alles wieder ganz spontan. Ich saß mit Freunden zusammen und wir redeten über die Rallye. Einer meiner Freunde schlug vor, ein altes Feuerwehrauto zu kaufen und wenige Minuten später waren wir auf dem Weg zum Verkäufer eines solchen. Wir waren begeistert von dem im Jahr 1978 gebauten Wagen, einem Mercedes LF 409. Er ist zwar richtig alt, hat aber erst 15.000km und eine Menge Platz. Eine Regel der Rallye besagt, dass pro Auto nur 1111€ ausgegeben werden dürfen. Wir haben 900€ und ein Wildschwein bezahlt! In der Region aus der Ich komme sind alle verrückt nach Wildschweinen. In meiner Familie wird auch selbst gejagt. Die Verkäufer des Autos wussten das und wollten statt eines höheren Preises lieber ein Wildschwein.  Das weitere Equipment suchen wir gerade noch zusammen.

Wie kann man Sie bei der Rallye unterstützen?

Die letzte große Hürde, die wir noch meistern müssen ist die Finanzierung des Abenteuers. Das ganze kostet insgesamt eine ganze Menge Geld. Wir versuchen vor allem durch die Medien Aufmerksamkeit zu bekommen aber schreiben auch verschiedene Firmen persönlich an. Da ist die Resonanz ganz unterschiedlich. Manche erklären sich gerne bereit uns zu unterstützen andere antworten gar nicht erst.

Grundsätzlich kann jeder spenden was er möchte. Egal ob Geld oder Equipment – wir haben noch viel Bedarf. Von der Camping- bis zur Reperaturausrüstung muss alles besorgt werden. Wir sind für jegliche Unterstützung und Anregung dankbar.

Unsere gesamte Ausrüstung spenden wir mitsamt Autos und sonstigem Equipment vor Ort. Die gesammelten Spenden gehen an das Kinderheim ‚Stern der Hoffnung’, welches sich in einer sehr armen Gesellschaft befindet und sich über jede Spende freut. Von Waschmittel bis Spielzeug ist alles erwünscht. Informieren kann man sich über unsere Facebook- und Internetseite.

Das Interview führte Carolin Schwarzer

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